Institut für Gesundheitsförderung

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Buchbesprechung

Raucherentwöhnung in Deutschland, Grundlagen und kommentierte Übersicht,
BZgA, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg), Köln, 2000, Gesundheitsförderung konkret, Bd. 2
Raucherentwöhnung im Betrieb
Ein Leitfaden für den Betriebsarzt

Erscheinungsjahr: 1995

Erreichbarkeit: Das Programm ist für den Einsatz in der betrieblichen Gesundheitsversorgung konzipiert. Es wird in Betrieben angeboten und ist in diesem Rahmen als niederschwellig anzusehen,

Zielgruppe: Das Kursleitermanual wendet sich an Betriebsärzte. Zielgruppe der Behandlung sind Raucher im erwerbsfähigen Alter.

Dauer/Zeitaufwand: Es handelt sich um insgesamt sieben Einzelseminare mit einer Dauer von jeweils 90 Minuten; die ersten sechs Seminare werden in einem Zeitraum von elf Tagen angeboten, ein weiteres Treffen wird auf einen Zeitpunkt drei Wochen später angesetzt. Eine langfristige Betreuung kann durch weitere Kontakte bei Betriebsarztbesuchen gewährleistet werden.

Verbreitung/ Akzeptanz: Über die tatsächliche Häufigkeit des bisherigen Einsatzes liegen keine Informationen vor.

Sabine Salmen ist Pädagogin am Institut für Gesundheitsförderung (Salmen und Behrendt GmbH) und seit vielen Jahren im Bereich der Raucherentwöhnung tätig; Prof. Dr. rer. nat. Klaus Klein hat die "Forschungsstelle für Gesundheitserziehung" der Universität zu Köln inne.

Zur Durchführung des Programms ist laut Autoren die Qualifikation als Betriebsarzt und die Bearbeitung des Leitfadens hinreichend. Weitere Angaben zu Anforderungen und Qualifizierungsmaßnahmen werden nicht gemacht.

Beschreibung des Angebots

Es handelt sich um ein Raucherentwöhnungsprogramm für Kleingruppen (6-20 Teilnehmer), das auf lerntheoretischen Erkenntnissen beruht, verhaltenstherapeutische Elemente mit der Schluss-Punkt-Methode verbindet und Nikotinsubstitution als unterstützende Maßnahme berücksichtigt. Als begleitende Messverfahren werden regelmäßige Kohlenmonoxidmessungen sowie eine einmalige Lungenfunktionsprüfung eingesetzt. Es werden Entspannungstechniken vermittelt, die eine Stressbewältigung ohne Rauchen erleichtern. Ziel ist eine vollständige Rauchabstinenz. Das Programm vermittelt schwerpunktmäßig bestimmte Kenntnisse und Fertigkeiten (Selbstkontrolle), die eine Rauchabstinenz ermöglichen und im Sinne einer Rückfallprophylaxe auch langfristig gewährleisten sollen. Unterstützend werden Bewegungsübungen, Atemgymnastik und Entspannungsverfahren eingesetzt (Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson).

Materialien: Zur Durchführung des Programms enthält das Kursleitermanual sehr klare Angaben bis hin zu bereits vorbereiteten Unterrichtsmaterialien für die einzelnen Kurseinheiten. Bei kompetenter Kursleitung müssten die Kurseinheiten von der angezielten Tellnehmergruppe gut zu bewältigen sein.
Das Kursleitermanual (117 S., 10 Folienvorlagen, 14 Arbeitsblätter) enthält theoretische Hintergrundinformationen, praktische Anleitungen und Informationen zur Organisation und Durchführung des Seminars, Kopiervorlagen der Seminarunterlagen sowie einen ausgearbeiteten Vorschlag für sieben Seminarabende. Weitere notwendige Materialien bzw. Geräte (z. B. Overheadprojektor, Flip-Chart, CO-Messgerät, Spirometer, Einmal-Mundstücke, Infomaterial etc.) sind im Manual aufgeführt und müssen vom Seminarleiter beschafft werden (Bezugsquellen werden im Anhang des Manuals genannt).

Die Teilnehmermaterialien bestehen aus Informationsblättern zum Nachlesen und Arbeitsblättern mit Aufgaben. Die Arbeitsblätter sind unauffällig gestaltet, fordern jedoch zu aktiver Bearbeitung auf. Da es sich bei den vorgegebenen Materialien um inhaltliche Vorschläge für den Kursleiter handelt, ist das tatsächliche Erscheinungsbild letztlich von seiner weiteren Bearbeitung abhängig.

Wirksamkeit und Erfolgskontrolle: In der letzten Kurseinheit sollen die Erfolge des Seminars diskutiert werden, was u.U. eine direkte Rückmeldung für den jeweiligen Seminarleiter beinhalten kann. Maßnahmen zur Erfolgskontrolle des gesamten Programms sind nicht in das Programm integriert. Erste Erfolgskontrollen wurden durchgeführt; die daraus resultierenden Daten sind bislang jedoch noch nicht systematisch statistisch ausgewertet worden.

Seriosität/Glaubwürdigkeit/Transparenz: Das Kursleitermanual selbst stellt alle Informationen zur Verfügung, die für die erforderliche Transparenz der Maßnahme sorgen.



Umwelt & Gesundheit aktuell, Arbeitsgemeinschaft für angewandte Gesundheitswissenschaften (Hrsg), Nr. 12, Juli 1994:
Buchbesprechung

Raucherentwöhnung im Betrieb
Ein Leitfaden für den Betriebsarzt

Von CHRISTOPHER ONKELBACH

Der tägliche Kleinkrieg im Betrieb und im Büro beginnt mit dem Aufreißen der Fenster. Nichtraucher fühlen sich zunehmend von ihren qualmenden Kollegen belästigt. Der Dauerzwist am Arbeitsplatz kann den Betriebsfrieden empfindlich stören, führt zu individueller Unzufriedenheit und hemmt den Arbeitsprozess. Das gesundheitliche Problem "Rauchen am Arbeitsplatz" rückt dabei zunächst in den Hintergrund.

Bei betrieblichen Bemühungen um Gesundheitsförderung der Belegschaft wird das Thema Rauchen bislang selten beachtet. Die Gründe liegen auf der Hand: Im Gegensatz zum Alkoholkonsum am Arbeitsplatz wird das Rauchen nicht als leistungsmindernde Sucht verstanden. Entscheidungsträger sind oftmals selbst Raucher. Hingegen wurden bereits mit gesundheitsfördernden Maßnahmen zur Ernährung, zur Vermeidung von Fehlbelastungen und Bewegungsmangel beachtliche Erfolge erzielt - auch bei der Alkoholproblematik.

Aufklärung und Entwöhnungskonzepte sind in der betriebsärztlichen Gesundheitsarbeit bislang kaum etabliert, obwohl nach § 3 des Arbeitssicherheitsgesetzes von 1973 den Betriebsärzten im Bereich des Gesundheitsschutzes eine besondere Rolle zufällt. Betriebsärzten fehlt meist ein kompetentes Handlungskonzept, das es erlauben würde, Raucher von ihrer Sucht abzubringen. Ein weitverbreitetes Vorurteil erschwert zudem die präventive medizinische Arbeit in den Betrieben: Gesundheit sei Privatsache.

Sabine Salmen und Klaus Klein belegen in ihrem Leitfaden für den Betriebsarzt "Raucherentwöhnung im Betrieb", dass Gesundheit durchaus keine allein individuelle Angelegenheit ist. Kern des 1992 erschienenen Leitfadens ist ein detailliert ausgearbeitetes Programm "Raucherentwöhnung im Betrieb", das ein Betriebsarzt oder andere geschulte Seminarleiter erfolgreich anwenden können.

Das Programm setzt auf den kombinierten Effekt von medizinischer Aufklärung des Rauchers und gruppentherapeutischen Erlebnissen während eines Seminars. Der Leitfaden liefert den Kursleitern zunächst die nötigen Grundlagen und Fachinformationen für das Programm. Dazu gehört ein Abriss über innerbetriebliche Konflikte zwischen Rauchern und Nichtrauchern ebenso wie die Darstellung spezifischer Schädigungen durch den Nikotinkonsum, Statistiken über Altersstrukturen und die Diskussion verschiedener Methoden der Entwöhnung.

In einem zweiten Teil werden dem Seminarleiter Vorschläge unterbreitet, welche verschiedenen Maßnahmen er zur Raucherentwöhnung im Betrieb konkret einleiten kann, die im Vorgriff auf die eigentliche Entwöhnung stattfinden können. Da eröffnen die Autoren dem Betriebsarzt ein weites Spektrum an Möglichkeiten: Informationsveranstaltungen, Interviews, Gesprächskreise, diverse Aktionen usw.

Im dritten und abschließenden Kapitel des Leitfadens wird die praktische Umsetzung des Programms "Raucherentwöhnung im Betrieb" dargelegt: Sieben Seminarabende sind detailliert beschrieben und vorbereitet - von der Einführung über den Einsatz von Folien, Tests, Protokollbögen, Fragestellungen, Informationen und Gesprächen bis zur Verabschiedung der Teilnehmer. Ein Anhang mit Quellen und Literaturangaben komplettiert das umfassende Werk.

Aufgrund der geschilderten Sachinformationen in Teil 1 und der Materialien zur praktischen Umsetzung in Teil 2 (incl. Kopiervorlagen, z. B. Bau der Atemwege, Rauchertagebuch usw.) ist der Leitfaden für jeden Nichtrauchertrainer - auch außerhalb von Betrieben - eine wertvolle Hilfe.




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